Empfehlungen für eine Bildkomposition

Die Bildkomposition ist mit einer der wichtigsten Faktoren, damit ein Foto  perfekt wird und der Leser lange im Bild verweilt und es schön findet. Leider kümmern sich die meisten Schnappschussfotografen nicht um eine Bildkomposition bzw. haben überhaupt keine Ahnung davon. Durch die Handy-Fotografie wird das Internet regelrecht überschwemmt mit schlechten Fotos, weil viele ohne groß nachzudenken drauf drückten und Ihre Schnappschüsse veröffentlichen.

Ich möchte hiermit jedem Hobbyfotografie die Möglichkeit bieten Foto-Kunstwerke zu erstellen. Auch ich habe mich erst seit wenigen Jahren tiefer mit der Bildkomposition beschäftigt und meine fotografischen Ergebnisse damit drastisch verbessern können. Die Bücher von David DuChemins haben mir dabei sehr geholfen, daher möchte ich hier noch mal das aktuelle Buch weiterempfehlen. Den Link dazu finden Sie am Ende des Artikels. Wer nicht ganz so viel Geld ausgeben möchte, findet oft in Fotomagazinen wie z.B. Digitale Fotografie auch Tipps zur Bildkomposition für Landschaftsaufnahmen.

Bitte bedenken Sie, dass Sie bei einer Fotopräsentation immer am schlechtesten Bild beurteilt werden und nicht am besten. Erstellen Sie daher Foto mit einer Bildkomposition und suchen dann noch die besten Foto für der Vorstellung heraus. Weniger Fotos die besser sind bringen mehr Aufmerksamkeit, als viele die nur mittelmäßig sind!

 

Die Bildkomposition

Wenn Sie eine Bildkomposition durchführen möchten, dann müssen Sie die Objekte (Steine, Berge, Hügel usw.) im Bild richtig anordnen. Da die meisten Objekt bei der Landschaftsfotografie nicht bewegbar sind, müssen Sie Ihre Komforzone verlassen und sich mit der Kamera nach links, rechts, oben, unten, vor oder zurück bewegen, bis die Objekte im Sucher oder Display an der richtigen Stelle erscheinen. Die wenigsten guten Aufnahmen werden im Stehen auf Augenhöhe durchgeführt.
Für eine gute Bildkomposition spricht nichts dagegen tragbare Objekte wie z.B. einen Ast, ein kleiner Baumstamm, Seetang usw. an die gewünschten Ort zu legen, damit Sie im Bild an der richtigen Stelle erscheinen. Das ist keine Manipulation der Szene, auch Profifotografen machen das schon mal!

 

Horizont

Die einfachste Art Ihre Bildkomposition schon etwas zu verbessern, ist die richtige Ausrichtung der Kamera zum Objekt. Ein Horizont an der See muss auch absolut horizontal im Bild sein. Objekte die im Normalfall senkrecht oder waagerecht sind sollten bei der Fotoerstellung auch so exakt wie möglich in dieser Position fotografiert werden. Moderne Kamera bieten dazu oft eine elektronische Wasserwaage an. Bei älteren Kamera kann über den Blitzschuh auch eine kleine Wasserwaage nachrüsten. Je genauer Sie die Ausrichtung vornehmen, um so genauer kann auch Ihre Bildkomposition ausfallen.
Spätestens bei der RAW Entwicklung sollten Sie jedes Foto so gut wie möglich ausrichten. Um so genauer Sie die Kamera bei der Erstellung ausgerichtet haben, um so geringer muss später der Beschnitt werden.  Bei einer Fotobetrachtung auf einem großen Fernseher fällt eine Abweichung von 1-2° deutlich auf und verschlechtert den Eindruck.
Nutzen Sie Stativ und Wasserwaage für die exakte Ausrichtung. Besonders bei Panoramaaufnahmen vom Stativ müssen Sie auf eine sehr exakte Ausrichtung der Drehachse achten, damit das ganze Panorama nicht schief wird und Sie es für die Horizontbegradigung stark beschneiden müssen.

 

 

Räumliche Ebenen

Viele Anfänger, haben es bestimmt schon Erlebt, dass Sie an einen tollen Ort waren, dort auch Foto gemacht haben und zu hause ernüchtert waren, weil das Foto gar nicht das wiedergibt, was Sie erlebt haben. Das gesehene ist dreidimensional und das Foto ist zweidimensional. Um dem Leser diesen Eindruck zu vermitteln, benötigt das Bild einen Vordergrund, einem Mittelteil und einen Hintergrund. Die meisten vergessen schlicht den wichtigen Vordergrund mit ins Bild zu nehmen. Bei dem folgenden Foto ist der Vordergrund, Mittelteil und Hintergrund schön durch die unterschiedlichen Farben zu erkennen. Alle drei Bereiche nehmen ca. 1/3 der Bildhöhe ein. Achten Sie daran, dass Ihr Foto einen Vordergrund, Mittelbereich und Hintergrund hat.

 

 

Die Drittelregel

Es wurde festgestellt, dass eine bestimmte Anordnung der Objekte im Bild den meisten Menschen besser gefällt. Über den goldenen Schnitt wurde die Drittelregel abgeleitet, mit der Sie dem Bild mehr Ruhe verleihen können. Bei der Drittelregel wird das Bild in neun gleich große Rechtecke unterteilt. Es entstehen dabei zwei horizontale und zwei vertikale Linien.

Wenn Sie viel von der Landschaft zeigen wollen und Sie keinen interessanten Himmel haben, dann setzen Sie den Horizont auf die obere horizontale Linie.

Sollten Sie einen sehr interessanten Himmel haben und der Vordergrund nicht so spannend sein, dann können Sie auch den Horizont auf die untere horizontale Linie setzen. Mit dieser Anordnung betonen Sie den Hintergrund.

 

Versuchen Sie jetzt noch das Hauptmotiv auf einem Knotenpunkt zu setzen oder zumindest auf eine der vertikalen Linien. Das setzen der Objekte auf die Knotenpunkte erzeugt eine dynamische Bildkomposition, als die Anordnung im der Bildmitte.
Eine sehr schöne Bildkomposition entsteht, wenn Sie auf dem linken unteren Knotenpunkt ein Vordergrundmotiv setzen und auf dem rechten oberen Knotenpunkt ein Hintergrundmotiv. Umgekehrt rechts unten und links oben die Objekte hinsetzen geht auch. Bei dem folgenden Beispiel wurden die Gänseblümchen als Vordergrundobjekt ausgewählt und die Windmühle als Hintergrundobjekt. Zusätzlich führt uns der Weg vom rechts unten ins Bild hinein.

 

Viele aktuelle Kameras können die Linien für die Drittelregel im Display und / oder Sucher einblenden. Nutzen Sie diese Möglichkeit für eine perfekte Ausrichtung.

 

Vordergrund

Ein wirkungsvoller Weg tiefe ins Bild zu bekommen, ist die Anordnung von einem starken Vordergrund auf den vorderen Bildbereich durch eine tiefe Anordnung der Kamera. Das obere Foto zeigt deutlich, das man die kleinen Blumen durch die Froschperspektive schön ins Szene setzen kann und dem Lesen ein Gefühl von Distanz und Größe gibt. Insbesondere mit einen extremen Weitwinkel funktioniert das sehr gut, Suchen Sie sich einen geeigneten Vordergrund und fotografieren Sie aus einer niedrigen Perspektive.

 

 

Führungslinien

Führungslinien eignen sich sehr gut dem Bild tiefe zu verleihen. Gerade Führungslinien können Dynamik ausstrahlen und eine große Wirkung erzielen. Es besteht aber die Gefahr, dass die Augen den Linien folgen und aus dem Bild geführt werden. Es ist also gut Objekte wie Bäume, Häuser und ähnliches zur Begrenzung ins Bild einzubauen. Bei dem nächsten Beispiel ist der Betonweg zum Dockland die Führungslinie und das Dockland der Abschluss.

Bei dem nächsten Beispiel ist die gebogene Treppe die Führungslinie ins Bild und das Gebäude bildet den Abschluss

Führungslinien können auch aus einzelnen Objekten, die in einer Reihe sind bestehen oder auch Objekte die in Bezug zueinander haben.
Achten Sie darauf, dass vorhandene Führungslinien den Leser ins Bild hineinführen und dort verweilen lassen.
 

 

Ebenen

Eine weitere Möglichkeit dem Bild tiefe bietet der Schichten-Effekt. Die Schichten können z.B. durch Nebel oder seitlich einfallendes Licht entstehen. Auch durch Bergketten wie auf dem folgenden Bild dargestellt ist dies möglich.

 

 

 

Brechen Sie die Regeln!

Nicht zu jedem Motiv gibt es die passende Regel, daher sollten Sie nicht alle Bilder nach der Drittelregel gestalten. Motive wie Spiegelungen auf einem Wasser benötigen Platz im Bild, daher wird oft der Horizont dann in die Mitte gesetzt. Man könnte sagen es gibt dann eine Symmetrieregel für z.B. Spiegelungen, Kegelförmige Objekte wie Berge, Vulkane usw. Brechen Sie daher auch mal die Regel und hören Sie auf Ihr Gefühl.

Bei dem folgenden Beispiel wurde die Regel, dass ein Landschaftsfoto vom Vordergrund bis zum Hintergrund scharf sein muss mit Absicht gebrochen. Der Vordergrund wird damit betont und der Hintergrund ist immer noch ausreichend scharf um ihn zu erkennen.

 

 

Natürliche Rahmen

Ein schönes Kompositionsmittel ist das Einbeziehen von Bildobjekten als natürlichen Rahmen. Der Rahmen dient dazu dem Leser in die Szene hinein zu ziehen.

 

 

Maßstab

Bei einigen Fotos kann der Leser die Abmessungen nicht abschätzen, da uns ein Größenbezug fehlt. Achten Sie darauf, dass die Dimensionen zu erkennen sind. Falls notwendig sind Objekt, die wir von den Abmessungen kennen wie z.B. Menschen, Auto usw. im Bild anzuordnen. In dem folgenden Beispiel kann man die Dimensionen ohne die Wanderer nicht gut erkennen. Die Wanderer sind daher ein wichtiger Bestandteil des Bildes.

 

 

Blickwinkel

Für das perfekte Bild ist der richtige Blickwinkel entscheidend. Experimentieren Sie daher mit unterschiedlichen Blickwinkeln. Wie man an den folgenden drei Beispielbildern erkennen kann, machen manchmal schon wenige Meter Standortverschiebung einen deutlichen Unterschied.

 

 

 

 

 

Bücher zum Thema Bildkomposition

Auf dem Büchermarkt gibt es hunderte von Bücher, die sich mit der Kameratechnik auseinander setzen, aber es gibt nur wenige die auf das Thema Bildkomposition eingehen. Ich möchte Ihnen daher ein Buch empfehlen, dass sich ausführlich mit der Gestaltung von Foto auseinander setzt. Meiner Meinung nach ist das Buch etwas langatmig geschrieben, aber dennoch einer der wenigen in deutsch geschriebenen Bücher die sich sehr gut zum Erlernen der Bildkomposition zum zum Finden von Motiven eignet. Es richtet sich an  ambitionierte Fotografen bzw. Hobbyfotografen (auch ohne Vorwissen).

Titel: Sehen und Gestalten
Autor: David DuChemin
Dpunkt Verlag
ISBN 978-3-86490-128-7

Preis: 39,90 EUR

Das Buch vereint die wichtigsten Kapitel aus David DuChemins Bestsellern "Auf der Suche nach dem Motiv" und "Sprechende Bilder".

 

 

Youtube Video

Das Youtube Video Photographing "The World Free Lesson 1" mit  Elia Locardi ist zwar in englisch, zeigt aber ab Minute 4, schön wie wichtig der richtige Standort und die Bildkomposition ist.


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