Ein Panoramafoto kann aus mehreren überlappenden Einzelbilder mit gleicher Belichtung, Brennweite und Fokuspunkt über eine Sofware zusammenfügt werden. Solange Sie nur weit entfernte Objekte (Hintergrund) für das Panorama fotografieren, können Sie die Fotos aus der Hand oder über ein Stativ machen und zusammenfügen. Ein gutes Bild hat aber einen Vorder- und einen Hintergrund (siehe z.B. Panoramabild ganz unten). Für die Erstellung von Panoramabilder mit Vorder- und Hintergrund benötigen Sie einen Nodalpunktadapter (auch oft bei Leihen als Panoramakopf bezeichnet), da sonst Parallaxefehler entstehen und das Panaramabild nicht oder nicht richtig zusammengefügt werden kann. Bei Parallaxefehler verschiebt sich beim Drehen um die Stativachse der Vorder- zum Hintergrund.

Objektiv:

Bei vielen kommt schnell die Frage auf, welches Objektiv ist für ein perfektes Panorama am besten geegnet?
Ein extremes Weitwinkelobjektiv bingt fast immer Verzerrungen mit. Für ein 360° Web Panorama mag das okay sein, aber für ein peferktes Panoramabild nicht optimal. Auch ein Zoomobjektiv ist oft nicht perfekt korrigiert. Ich würde daher einw gute Festbrennweite wie z.b. ein Standardobjektiv empfehlen. Festbrennweiten sind meistens besser korrigiert (weniger Verzerrungen und Randabdunklungen), als Zoom Objektive und haben eine höhere Auflösung. Mit einem Standardobjektiv muss man zwar etwas mehr Aufnahmen machten, als mit einem Weitwinkelobjektiv, aber das ist mit einem Nodalpunktadapter kein Problem.
Bei der Objektivwahl sollten Sie berücksichtigen, dass bei einem Weitwinkel der Nodalpunkt genauer eingestellt werden muss, als z.B. bei einem Standardobjektiv. Bei einem Fisheye Objektiv kann schon ein Fehler von nur einem Millimeter zu Problemen führen, da mit einem Foto sehr viel Vorder- und Hintergrund aufgenommen wird.

 

Nodalpunktadapter:

Nodalpunktadapter von bekannten Hersteller können schnell über 200 EUR kosten. Für Hobbyfotografen, die nur ab und zu ein Panoramabild erstellen eine kostspielige Sache. Ich möchte daher hier eine kostengünstige Lösung für unter 100 EUR vorstellen. Die chinesische Firma Mengs bietet günstige, aber dennoch qualitativ sehr gute Bauteile an, mit dem man sich einen Nodalpunktadapter zusammenstellen kann. Ich habe mich für eine sehr kostengünstige Variante mit Einschränkungen die ich weitere unten beschreibe entschieden, da die Einschränkungen für mich akzeptabel sind. Für meinen Nodalpunktadapter habe ich mir die folgende Bauteile bestellt:

 Artikel

 Beschreibung  Gewicht  Kosten
MENGS PAN-01

360° Schwenkkopf mit Schnellwechselplatte und Arca Swiss Kupplung.  Der Schwenkkopf kann auf eine Arca Swiss Kupplung montiert werden oder direkt auf das Stativgewinde bzw. den Adapter.  Die mitgelieferte Wechselplatte wird für den Nodalpunktadapter nicht benötigt, kann aber für eine direkte Montage der Kamera auf dem Schwenkkopf nützlich sein.

Mitgelieferte Tasche nicht dargestellt.

0,222kg
(Kopf)

0,047kg
(Adapterplatte)

33 EUR

MENGS FNR-140

oder

MENGS FNR-200

140mm lange Multifunktionsschiene mit Arca Swiss Führung und einer Kupplung 90° zur Führung. Nur für kurze Objektive geegnet. Für längere Objektive sollte man lieber die 200mm lange Mengs Multifunktionsschiene FNR-200 kaufen, die nur geringfügig mehr kostet.

0,180kg
(FNR-140)

19 EUR
(FNR-140)

22 EUR
(FNR-200)

MENGS MPU-100

L-Winkel mit Arca Swiss Führungen und Schraube zur Befestigung der Kamera

0,115kg 16 EUR
Baugruppe Mengs Nodalpunktadapter ca. 0,517kg

68 EUR

bis

71 EUR

 

Der einfache Nodalpunktadapter kosten nur ca. 68 EUR. Alle Bauteile können Sie z.B. bei Amazon bestellen.

Und so sieht der Nodalpunktadapter mit Bauteilen von Mengs aus:

 

Einschränkungen:

  • Durch die kurze Multifunktionsschiene FNR-140 ist der Nodalpunktadapter nur für sehr kurze Objektive geeignet. Wer auch längere Objektive einsetzen möchte, sollte lieber zur Multifunktionsschiene FNR-200 greifen! Der Nodalpunkt liegt meistens in der Nähe der Frontlinse.
  • Der einfache Nodalpunktadapter hat Einschränkungen, da der L-Winkel recht klein ist und man die Kamera daher nicht Richtung Drehachse (also Richtung Boden) schwenken kann. Ein 360° Kugelpanorama ist also nicht möglich. Es gibt aber Möglichkeiten herauszufinden, wann der L-Winkel so eingestellt ist, dass die optische Achse der Kamera mit der Drehachse in einer Ebene sind. Diese Abstimmung muss man aber eingetlich auch nur ein mal mit seiner Kamera machen. Wenn Sie verschiedene Kamera mit dem Nodalpunktadapter verwenden wollen, dann sollten Sie lieber zu einen längeren L-Winkel wie z.B. den MENGS BPL-01AL greifen.
  • Bei meiner Lösung wird die Kamera direkt an dem L-Winkel befestigt. Falls Sie mehrzeile Panoramabilder erstellen wollen, dann sollten Sie gegebenfalls einen zweiten Schenkkopf an den L-Winkel montieren und darauf die Kamera. Durch Lösen der Schraube für die Kamerabefestigung können Sie natürlich die Kamera auch neigen.
  • Des weiteren kann es bei einigen Kameras Einschränkungen bezüglich Anschluss vom Fernauslöser oder Karten bzw. Akkuwechsel ohne Demontage der Kamera vom Adapter geben.

 

Erweiterungsmöglichkeit: 

Mengs bietet ein sehr umfangreiches Sortiment an Schienen, Zubehör usw. an. Es gibt also viele Erweiterungs- oder Umbaumöglichkeiten, auch mit Teilen anderer Hersteller.

 

Montage vom Nodalpunktadapter:

Der PAN-01 Panoramakopf kann auf einem Stativ mit Arca Swiss Kupplung montiert werden oder auch auf dem Gewinde vom Stativkopf. Über die drei eingebauten Wasserwaagen und dem Kugelkopf vom Stativ können Sie den Panoramakopf so ausrichten, dass die Drehachse genau senkrecht steht. Dies ist wichtig, damit der Horizon auf dem Bild auch horizontal ist und sich beim Drehen um die Panoramaache kein Höhenversatz entsteht.

Nach dem Sie dem Panoramakopf montiert und ausgerichtet haben, montieren Sie die FNR Multifunktionsschiene über die Arca Swiss Kupplung auf dem Panoramakopf.

Montieren Sie jetzt den L-Winkel an die Kamera

Nun müssen Sie nur noch die Kamera mit dem L-Winkel auf der FNR Multifunktionsschiene über die Arca Swiss Kupplung befestigen.

 

Eine horizontale Befestigung ohne eine Neigung der Kamera ist auch möglich. Dazu muss einfach nur anstatt dem L-Winkel, die Adapterplatte vom Panoramakopf an die Kamera montieren. Die Kamera kann dann direkt auf der Multifunktionsschiene befestigt werden.

 

 

Einstellen der optischen Achse:

Als erstes müssen wir die optische Achse von der Kamera mit der Drehtachse vom Panoramakopf in eine Ebene bringen. Diese Einstellung ist unabhängig vom Objektiv, aber abhänig von der Kamera, da der Abstand zwischen Kameraanschraubfläche bis zur Objektivachse bei den meisten Kameramodelen unterschiedlich ist. Wenn Sie nur eine Kamera besitzen bzw. mit den Nodalpunktadapter verwenden, dann müssen Sie die Einstellung nur ein mal machen und die Einstellung kennzeichnen oder L-Winkel mit der Multifunktionsschiene nicht wieder auseinander nehmen.

Es gibt mehrere Methoden wie Sie den seitlichen Versatz der optischen Achse zur Drehachse korrigieren können. Ich möchte Ihnen hier zwei vorstellen:

 

a) Einstellung mit kurzem Objektiv und LiveView

Sie haben wie ich ein extrem kurzes Objekt z.B. ein Canon EF-S 24mm f/2.8 STM mit einer sehr gringen Entfernungseinstellung. Dann brauchen Sie nur die Kamera zur Multifunktionsschiene geneigt montieren.

Stellen Sie den Autofocus ab, die kürzeste Distanz manuell ein und wählen eine kleine Blende z.B. f/16. Jetzt aktiviren Sie den LiveView und die Gitterlinien. Sie können jetzt einfach den seitlichen Versatz an der Schraube von der Multifunktionsschiene korrigieren. Durch Betätigung vom Abblendknopf erhalten Sie ein schärferes Bild. Wie Sie auf dem folgenden Foto sehen ist die Wasserwaage genau in der Mitte, die optische Achse und Schienenmitte sind damit ein einer Ebene.

Tipp:
Damit Sie die Ausrichtung nicht wiederholen müssen, empfehle ich bei Verwendung von nur einem Kameratyp am L-Winkel eine Kennzeichnung (z.B. mit einem Messer) an der Nullposition zu machen und das auch auf beiden Seiten, dann können Sie den L-Winkel auch anders herum ausgerichtet montieren.

 

b) Für alle Objektiv- und Kameratypen geeignet

Bauen Sie die Kamera vor einem Spiegel auf und richten die Kamera so aus, dass die optische Kameraachse senkrecht zum Spiegel steht. Jetzt können Sie die Kamera durch den LiveView auf dem Panoramakopf montiert sehen und recht gut ausrichten. Für ein exaktes Ausrichten empfehle ich Fotos zu machen und die am PC Monitor oder Fernseher zu kontrolieren und gegebenfalls so lange zu korrigieren bis die Achsen in einer Ebene sind.
Wie oben beschrieben sollten Sie gegebenfalls eine Markierung der Einstellung vornehmen, da der L-Winkel keine Scala hat.

 

Einstellen vom Nodalpunkt (NPP):

Das Einstellen vom Nodalpunkt ist etwas schwieriger und die Einstellung ist von der Kamera / Objektiv Kombination abhänig. Der Nodalpunkt oder auch Kontenpunkt genannt liegt ungefähr im Bereich der Frontlines vom Objektiv.

Für die Ermittung vom Nodalpunkt benötigen wir ein senkrechtes Objekt im Vordergrund und ein senkrechtes Objekt im Hintergrund. Ich habe mir dafür den Fensterrahmen und einen Baum im Garten ausgesucht.

Aufbau:

Montieren Sie den Panoramakopf auf das Stativ und richten den den Panoramakopf über die drei Wasserwaagen so gut wie möglich aus. Gegebenfalls den Panoramakopf mal drehen und die Wasserwaagen prüfen.

Montieren Sie jetzt die Multifunktionsschiene mit dem L-Winkel und der Kamera. Falls der L-Winkel zur Multifuntionsschiene noch nicht ausgerichtet ist, dann richten Sie Ihn wie ober unter Einstellen der optischen Achse aus. Befestigen Sie die Kamera so, dass die optische Achse der Kamera senkrecht zur Drehachse zum Panoramakopf steht.

 Verschieben Sie jetzt das Stativ, so das die senkrechte Linie im Vordergrund (bei mir der Fensterrahmen), die senkrechte Linie im Hintergrund (bei mir der Baum) in einer Linie sind und in der Bildmitte erscheinen. Die Multifunktionsschiene sollte dabei so eingestellt sein, dass die Frontlinse ungefähr auf der Drehachse vom Panoramakopf liegt.

 Der Nodalpunkt (NPP = no-parallax-point) ist richtig eingestellt, wenn sich beim Drehen vom Panoramakopf keine Verschiebung vom Vordergrund zum Hintergrund ergibt! Die Parallaxefehler sind damit behoben.

Wir nutzen zur Prüfung den digitalen Zoom im LiveView mit 10x Vergrößerung. In der Bildmitte ist der Vordergrund (weiße Linie vom Fensterrahmen) und der Hintergrund (Baum) in einer Linie.

Zur Prüfung drehen wir die Kamera um die Panoramakopfachse nach rechts oder links. Den digital Zoom müssen Sie natürlich auch nach rechts bzw. links korrigieren. Ich habe die Kamera nach links gedreht. Auf dem folgenden Bild sehen Sie, dass sich der Vordergrund zum Hintergrund leicht verschoben hat. Wir sind aber schon nahe am Nodalpunkt. Zur Korrektur lösen wir die Multifunktionsschine und schieben beim LiveView die Kamera nach Vorne bzw. Hinten, bis Vordergrund und Hintergrund wieder in einer Linie sind. Wiederholen Sie das ganze, bis es beim Drehen um die Panoramakopfachse keine Verschiebung vom Vordergrund zum Hintergrung mehr gibt.

Notieren Sie sich den Scalenwert von der Multifunktionsschiene für die Kamera / Objektivkombination, dann können Sie später ganz schnell über die Scala den Nodalpunkt einstellen.
Bei Zoomobjektiven soll der Nodalpunkt auch abhänig von der eingestellten Brennweite sein. Bei mein 24-70er habe ich aber keine großen Unterschiede bei der Brennweitenverstellung bemerkt. Festbrennweiten sind meiner Meinung nach für Panoramafotos besser geeignet. Wie genau der Nodalpunkt eingestellt werden muss hängt vom Objektiv und Motiv ab. Je keiner die Brennweite, um so genauer muss die Einstellung sein.

 

Hier meine ermittelten Nodalpunkteinstellungen:

 Kamera Objektiv   Schlitteneinstellung vom FNR-140
 Canon EOS 80D  Canon EF-S 24mm f/2.8 STM  Schlitten auf Position 62mm
 Canon EOS 80D  Canon EF-S 60mm f/2,8 USM  Schlitten auf Position 50mm
 Canon EOS 80D  Canon EF 24-70mm f4 L IS USM  Schlitten auf Position 18mm beim Brennweite 24mm
 Canon EOS 80D  Canon EF-S 10-22mm 1:3,5-4,5 USM  Nodalpunkt mit dem FNR-140 nicht einstellbar, da Schiene zu kurz

Wer möchte kann mir seine ermittelten Daten zum Nodalpunkt zuschicken. Ich nehme die dann in die Liste auf.

 Beispiel mit Nodalpunktadapter

Hier mein erstes Bild, dass ich vor meiner Haustüre mit dem oben beschriebenen Nodalpunktadapter erstellt habe. Das Panoramabild wurde einzeilig, aus 10 Einzelbildern mit meinem Darktable Plugin Pano Professional montiert. Das Bild wirkt nur so gut, weil es einen Vorder- und Hintergrund hat, der nur mit einem Nodalpunktadapter richtig aufgenommen werden kann. Durch einen Klick auf auf das Panoramabild können Sie vergrößern und die Detail erkennen. So wie es sein soll ist keine Nahtstelle, kein Fügefehler und keine Horizontschwankung zu erkennen. Das Bild sieht aus, als wäre es durch eine Aufnahme erstellt worden.

  • Kamera: Canon EOS 80D, Objekt: Canon EF-S 24mm f/2,8 STM
  • Blende f/16, Belichtungszeit 1/40, Fokus auf 3,97m (Hyperfokaldistanz)
  • Panorama aus 10 RAW Aufnahmen mit Darktable bearbeitet und montiert

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